Helmut Admin

Anmeldungsdatum: 03.04.2006 Beiträge: 3878 Wohnort: Hamburg-Tonndorf
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Verfasst am: 01.11.2008, 14:02Titel: 6-Tage-Rennen Dortmund (Bericht + Bilder) |
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Das 6-Tage-Rennen in Dortmund war für Matthias und mich ein tolles Erlebnis. Es war für uns unser erstes 6-Tage-Rennen, sonst wäre uns wohl noch deutlicher aufgefallen, wie viele Zuschauerplätze in diesem Jahr unverkauft geblieben waren. Damit die Hallen einigermaßen gefüllt waren, konnten alle erfolgreichen Teilnehmer am German Cycling Cup Gutscheine für zwei Freikarten über's Internet beziehen, so wie wir. Wir griffen zu, tauschten sie im German Cycling Cup-Bus vor der Halle gegen die Karten ein und hatten unseren Spaß.
Das Glanzlicht waren für uns die Steherrennen mit alten, aber noch immer aktuellen Motorrädern. Mit ihren zwei v-förmig in Reihe stehenden Zylindern schienen sie mir noch vom ersten Rennen aus dem Jahr 1925 übrig geblieben zu sein. Allein ihr tiefes Grollen und die teils ebenso urig ausschauenden, stilecht in alten Ledersachen gekleideten Schrittmacher sorgten für eine tolle Atmosphäre schon bevor der erste Radfahrer Kontakt zu seinem Schrittmacher aufgenommen hatte. Dagegen fielen in meinen Augen die eigentlich ebenfalls spektakulären Derny-Rennen deutlich ab. Beeindruckt hat uns auch das 1.000-Meter-Mannschaftsrennen, bei dem jeweils zwei Leute abwechselnd fahren und einen Schnitt von bis zu 62,4 km/h erzielten. Im Sprint erreichen die Fahrer bis zu 70 km/h, ohne Schrittmacher.
Begeistert hat mich auch die passende Musik und Lichttechnik. Beides war ganz darauf ausgerichtet die Rennen und die Radfahrer in Szene zu setzen und die Stimmung anzuheizen. Professionell auch das Kampfgericht. In dem Moment, wenn der erste Fahrer die Ziellinie überfuhr, konnte man auf einem Laptop bereits das Zielfoto sehen. Zwei Sprecher versorgten abwechselnd die Zuschauer mit Informationen und forderten berechtigten Applaus ein.
Alle Rennen liefen nach dem gleichen Muster ab: Vorstellen der Fahrer, Einrollen, fliegender Start, Rennphase, Schlussphase, Glocke zur letzten Runde, Schlussrunde, Zieleinlauf, der Sieger fährt von einem Spot angeleuchtet noch eine Runde, Interview, wenn vorhanden Nennung der Sponsoren, Siegerfoto und Küsschen von Miss 6-Days - man sah die lecker aus, mancher wird sie sich als Miss 1-Night vorgestellt haben -, Ehrenrunde mit Blumenstrauß in der Hand. Ein Schwarm von Fotografen war in der Halle unterwegs und ich frage mich, ob die alle vom Fotografieren leben können.
Im Gang rund um die Arena gab es ein einfaches, aber völlig ausreichendes Angebot an Speisen und Getränken zu vernünftigen Preisen. Mehrmals marschierte eine Blaskapelle Musik spielend durch den Gang. Durch einen Gang gelangte man unter der Bahn hindurch in den Innenraum, der gut gefüllt war. Von hier aus konnte man zwar die Rennen nicht so gut sehen, aber einen Blick auf die pausierenden Fahrer und ihre Arbeitsgeräte werfen. In den Gängen hingen wunderbare Grafiken mit Studien der Radsportler von Horst Brozy, auf denen wir einige Gesichter der Schrittmacher wiedererkannten. Denen waren wir von unseren Plätzen an der Ballustrade zum Greifen nahe.
Mehrfach wechselten wir unseren Standort. Mit Ausnahme des VIP-Bereiches und der Lounges gab es freie Platzwahl. VIPs waren keine Promis, sondern Radsportfreunde, die bereit waren für's Buffet und Tischservice oder gar eine Lounge mehr Geld zu bezahlen.
In den Nebenhallen wurde gefeiert. Zwei Live-Bands spielten gleichzeitig, eine vor einigen Hundert, die andere vor wenigen Zuschauern. Rund um war Bars und Bierstände aufgebaut. Überall war man ruckzuck in der Pole-Position um nachzutanken. Auch am Personal hatte der Veranstalter nicht gegeizt.
Für uns war es ein nettes Freizeiterlebnis, für die Fahrer harte Arbeit. Schlag auf Schlag wurden verschiedene Rennen durchgeführt, mit nahezu immer den gleichen Fahrern, nur eben in immer wieder anderen Disziplinen. Nachdem sich die Fahrer verausgabt hatten, durften sie kurz pausieren und dann mussten Zabel, Hondo & Co. gleich wieder ran und das von 19:00 bis 01:30 Uhr. Für Erik war es das letzte 6-Tage-Rennen in Dortmund in seiner langen Karriere und noch immer hatte er oft die Nase vorn.
Bahnfahren erfordert nicht nur viel Kraft und Kondition, sondern auch ein hohes Mass an Konzentration. Abwechselnd gegen sich die Fahrer per Handschlag Schwung. während einer volle Pulle fährt, wartet der andere, bis der eine Runde auf ihn gutgemacht hat. In dem Moment, in dem der Wartende von der Außen- wieder auf die Innenbahn wechselt kreuzt er die Spur der anderen Fahrer. Wir sahen trotzdem nur einen Sturz, der glimpflich verlief.
Das ist bei der Dauer der Veranstaltung nur etwas für Profis, denen diese Leitung zu allem Überfluss an sechs Tagen hintereinander abverlangt wird. Betrachtet man die Zuschauer, ist es ein Rennen für Jedermann und somit ein etwas anderes "Jedermannrennen".
Als Sponsor tat sich Rewe besonders hervor. Die Dernys waren komplett im Rewe-Design lackiert, Teile der Bahn und ein durch die Halle fliegender Zeppelin ebenfalls. Wie wichtig Sponsoren sind, wissen wir Radsportler spätestens seit dem Rennen auszufallen drohen, weil Sponsoren abspringen.
Thali war etwas geknickt, weil wir unsere Tour nicht angekündigt hatten. Gern hätten wir ihn und andere mit dabei gehabt, aber wir hatten so kalkuliert, dass wir uns auch der Rückfahrt eventuell zu zweit auf einem Rastplatz im Auto langlegen würden. Dazu kam es nicht, weil wir noch zu aufgedreht waren. Aber vielleicht verabreden wir uns ja zum 6-Tage-Rennen nach Bremen. Da ist die Hin- und Rückfahrt nicht all zu lang.
Die ca. 70 Bilder findest Du hier: http://bilder.helmuts-fahrrad-seiten.de/Historische%20Bilder/Dortmunder%206-Tage-Rennen%20%2708/index.html _________________ Wenn's um die Wurst geht, sollte man gut abschneiden. |
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